21
Jun
2008

Energieverbrauch sinkt

Der Energiekonzern BP hat eine Statistik zum Energieverbrauch veröffentlicht. Demnach ist der Verbrauch von Primärenergie (Öl, Gas, Kohle, Atom und Wasserkraft) in Deutschland 2007 um 5,6 Prozent gegenüber 2006 zurückgegangen. Der Ölpreis steigt seit sechs Jahren kontinuierlich an, das Fass Öl kostet derzeit das 12-mal mehr als vor zehn Jahren. Laut den BP-Daten, die bis 1861 zurückreichen, ist dies die längste Phase steigeender Ölpreise seit Beginn der Industrialisierung. Weltweit nahm demnach der Primärenergieverbrauch um 2,4 Prozent zu, in China stieg er um 7,7 Prozent. Laut der BP-Einschätzung ist für den Preisanstieg die Nachfrage verantwortlich, nicht aber Spekulationen an der Börse.

Quelle: Artikel in der FR, 19. Juni 2008

19
Jun
2008

Die guten Seiten des Ölschocks

Die Welt am Sonntag berichtet unter diesem Titel über die Folgen der steigenden Energiepreise. Tenor: Die hohen Öl- und generell Energiepreise sorgen zwar für Verwerfungen, belasten Unternehmen wie Verbraucher und treiben die Inflation. Aber sie haben auch etwas gutes, denn die Verbraucher reagieren, ändern ihr Verhalten und sorgen so langfristig für eine andere Weichenstellung in Sachen Energie – was langfristig für Normalisierung auf den Energiemärkten sorgen wird. Und den bislang oft vorherrschenden hemmungslosen Energiekonsum beenden könnte. Belege werden auch geliefert. So meldet der us-amerikanische Transportbetreiberverband APTA einen Passagieranstieg von 3,3 Prozent im ersten Quartal. Im März seien die US-Amerikaner zudem 17,7 Mrd. Kilometer weniger auf der Straße gefahren als im Vorjahresmonat – rechnerisch 60 KM pro Person. Der Text verweist dann auf die rasanten Steigerungen bei den erneuerbaren Energien und fährt fort mit der Subventionspolitik der Schwelleenländer in Sachen Energie. Indien, Indonesien und Malaysia haben demnach ihre Subventionen des Benzinpreises um 10 bis 40 Prozent gekürzt. Und in China gebe es bereits Lieferengpässe für Tankstellen, weil staatliche Ölfirmen den Rohstoff nicht zu billig abgeben wollen.

Quelle: Welt am Sonntag, 15. Juni 2008

26
Mai
2008

Oil-Peak

Am 23. Mai hat sich die Wirtschaftsredaktion der FR ganzseitig auf ihrem Titel der Frage gewidmet, ob das Öl knapp wird. Anlass: Der Rekord-Ölpreis. Sie geben die Oil-Peak-These der Energy Watch Group wieder, der zufolge die weltweite Förderung bis 2030 auf die Hälfte zurück gehen könnte. Zitiert wird Josef Auer vom Deutsche Bank Research, der in den „kommenden Jahren und Jahrzehnten eine ernst zu nehmende Verknappungsperspektive“ sieht und verlangt, der Übergang vom Öl zu dessen Nachfolgern müsse möglichst effektiv gestaltet werden. Als Gegenstimme kommt der Mineralölwirtschaftsverband MWV zu Wort, der die gegenwärtigen, gesicherten und wirtschaftlich förderbaren Reserven auf 181 Mrd. Tonnen, so hoch wie nie, beziffert.

In einem 2. Artikel beleuchten sie die technische Seite. Oil Peak-Theorien gebe es schon länger; der 1989 verstorbene US-Geologe Marion King Hubbert wird als Erfinder bezeichnet. Dann gehen die Autoren Wenzel und Pfeiffer auf die Glockenform ein (steiler Anstieg, dann flacher weiter bis zum Gipfel, dann zunächst flacher und später rasanter Abschwung). Allerdings seien die Ressourcen drei mal so hoch wie die Reserven. Und mit Ressourcen meinen sie Tiefsee-Quellen, Horizontalbohrung, Ölsand und Ölschiefer (und vergessen die vermuteten arktischen Quellen). Demnach müsse das Öl noch 200 Jahre reichen.

Die Einschätzung ist m.E allerdings gewagt, denn Wenzel und Pfeiffer zeigen selbst kursorisich, wie seit den 80er Jahren die Ölförderung immer schwieriger geworden ist, weil die praktisch von alleine sprudelnden Quellen kaum noch sprudeln. Es liegt doch auf der Hand: Wenn schon bei jetzigen, vermutlich nachfragebestimmten Ölpreisen und bei mindestens konstanter, vermutlich steigender Nachfrage, die möglichen Reserven oder Ressourcen immer teurer auszubeuten werden, wird der Preis weiter steigen. Weil aber etwa Windkraft und auch Solar bereits zu heutigen Preisen teilweise konkurrieren können, wird deren Konkurrenz eher zunehmen. Und so die Ölförderung immer sinnloser – und bis hier ist noch gar nicht vom Klima oder anderen Umweltaspekten geredet.

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23
Apr
2008

Stromlücke

Reaktionen auf die von der Deutschen Energieagentur (Dena) vorgelegte, von Energieunternehmen finanzierte Studie, nach der 2020 in Deutschland etwa 15 konventionelle Kraftwerke fehlen.

Eine Gruppe von MdB's, Energieforschern und Umweltschützern entgegnet, es gebe eine Handlungslücke. Wenn die bereits von der Bundesregierung beschlossenen Schritte – also bis zum Jahr 2020 Stromeinsparung von 11 Prozent, Ökostromanteil 20 Prozent, KWK in der fossilen Stromproduktion 25 Prozent – umgesetzt würden, gäbe es die von der Dena prognostizierte Stromlücke nicht. Das Öko-Institut sieht ebenfalls keine Stromlücke und beruft sich auf die langfristigen (bis 2014) Handelspreise für Strom an der EEX. Die müssten einen starken Aufwärtstrend haben, wenn Marktteilnehmer einen Strommangel befürchteten, den haben die Preise aber nicht.

Quelle: Artikel von Joachim Wille in der FR vom 21. April 2008

20
Mrz
2008

Oil-Peak

Im Newsletter (Ausgabe 20. Februar) von Hans-Josef Fell, grüner MdB, folgendes gefunden:
  • OPEC-Mitglied Indonesien importiert mittlerweile selbst Öl
  • 2003 hatte die OPEC versprochen, mittels Förderpolitik die Erdölpreise im Korridor zwischen 20 und 30 USD/Barrel zu halten
  • Die Internationale Energieagentur hat noch 2004 für 2008 einen Preis von 22 Dollar pro Barrel prognostiziert

19
Mrz
2008

Erneuerbare Statistiken

Aktuell flattern wieder die Statistiken in die Mailbox. Bereits am 11. März http://volkswirtschaft.twoday.net/stories/4776331/ hatte ich ja den REN 21-Bericht nachgeschoben, dazu heute noch Ergänzungen gemacht.

Außerdem findet eine Pressemeldung des BMU vom 14. März:

Erneuerbare Energien auch 2007 kräftig gewachsen

[...] Nach Berechnungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare-Energien-Statistik (AGEE-Stat) haben die erneuerbaren Energien im Jahr 2007 bereits einen Anteil von 14,2 Prozent am Bruttostromverbrauch erreicht. Das ist ein Fünftel mehr als im Vorjahr. [...] Die erneuerbaren Energien kommen im Jahr 2007 in den Bereichen Strom, Wärme und Kraftstoffe zusammen auf rund 222 Terawattstunden (TWh). Ihr Anteil am gesamten Endenergieverbrauch ist damit im vergangenen Jahr auf 8,5 Prozent angestiegen. 2007 haben die erneuerbaren Energien insgesamt rd. 114 Mio. Tonnen CO2 eingespart; davon rd. 57 Mio. Tonnen allein durch das EEG.

Als Wirtschaftsfaktor sind die Erneuerbaren immer wichtiger geworden. So stiegen die Umsätze aus Installation und Betrieb von Anlagen in Deutschland abermals um knapp 10 Prozent auf rund 24,6 Milliarden Euro. Damit verbunden nahm auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche auf nunmehr rund 249.000 weiter zu.

[...]

Hinweis: Die vom Bundesumweltministerium vorgelegten Zahlen für 2007 sind vorläufig. Ein Hintergrundpapier „Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2007“ und weitere aktuelle Informationen sind unter www.erneuerbare-energien.de und www.bmu.de verfügbar.

Das statistische Bundesamt Destatis ergänzt (gefunden über den Newsletter der Informationskampagne Erneuerbare Energie)

Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren Energien seit 1991
Das enorme Wachstum der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist den günstigen politischen Rahmenbedingungen zu verdanken. Das belegt eine Langzeitberechnung des Statistischen Bundesamtes. Bei Inkrafttreten des ersten Stromeinspeisegesetzes im Jahr 1991 stammten erst 3,6 Prozent des verbrauchten Stroms aus regenerativen Quellen, fast ausschließlich aus Wasserkraft. Windenergie, Photovoltaik und Biomasse spielten damals nur eine ganz geringe Rolle. Insgesamt hat sich die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien von 17,5 Terawattstunden (TWh = Milliarden Kilowattstunden) im Jahr 1991 auf 87 TWh im Jahr 2007 verfünffacht. Daran trägt die Windenergie den Hauptanteil. 39,5 TWh Strom haben diese Anlagen 2007 produziert, das sind 6,2 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Auch die Biomasse liefert mit 19,5 TWh oder 3,1 Prozent einen erheblichen Beitrag zur sicheren Elektrizitätsversorgung. Die Stromerzeugung mittels Solarzellen hat sich durch das EEG innerhalb weniger Jahre verdreifacht. Gut 3 TWh Strom aus Photovoltaik wurden 2007 erzeugt. Umgebungswärme und Geothermie erreichten 2007 erst einen Anteil von unter 0,1 Prozent an der Stromerzeugung.

Destatis-Quelle

18
Mrz
2008

Interview Chefvolkswirt IEA

Und noch mehr Aufarbeitung lange liegenden Materials, diesmal ein Interview in der FR vom 23. November 2007. Michael Bergius sspricht mit Fatih Birol, Chefvolkswirt bei der internationalen Energieagentur IEA.

Laut Birol führt der hohe Ölpreis bereits jetzt zu einer Abschwächung des Wachstums. Insbesondere arme Länder seien betroffen, nach IEA-Studien sind etwa den Ländern südlich der Sahara in den vergangenen drei Jahren jährlich zehn Mrd. USD zusätzliche Kosten durch den hohen Ölpreis entstanden, zwei Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums sind futsch. Birol plädiert für einen effizienteren Energieeinsatz und eine stärkere Förderung der erneuerbaren Energie. Bei wichtigen Abnehmern wie China oder Indien müsse die Subventionierung des Erdöls beendet werden.

Laut Birol kostet die Förderung eines Barrels im mittleren Osten maximal 20 USD, d.h. Der Marktpreis beträgt bei 100 USD das Fünffache des Produktionspreises – diplomatisch sagt Birol, es gebe nur wenige Güter, wo ein solches Verhältnis herrsche. Er verlangt, dass die Anbieter mehr Öl auf den Markt bringen. (Aber warum sollten sie das tun?)

Zwar gebe es noch keine neue Welt-Energiepolitik, aber sehr wohl eine Welt-Energieordnung. Die sei gekennzeichnet von wenigen Anbietern für Öl und Gas (Golfstaaten, Russland) und neuen Großabnehmern mit rapide steigendem Bedarf (China, Indien), die zukünftig den traditionellen Abnehmern den Rang ablaufen werden und deshalb auch mehr Mitspracherecht erhalten werden.

Birol verneint echten Wettbewerb auf den deutschen Strom- und Gasmärkten und plädiert für eine Trennung von Netz und Erzeugung. Seiner Ansicht nach bestimmen in ganz Europa lediglich sechs bis sieben große Konzerne den Lauf der Dinge.

17
Mrz
2008

Bärbel Höhn: Stromkonzerne tun nicht genug für Klimaschutz

Bereits seit dem 6. Dezember 2007 liegt hier bei mir auf dem Schreibtisch ein FR-Gastbeitrag der grünen MdB Bärbel Höhn herum, in dem sie sich mit dem neuen, ökologischen Image beschäftigt, dass sich die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall derzeit zu geben versuchen. Höhn zählt Werbebeiträge auf, nach denen die Konzerne auf Gezeitenkraftwerke und Biogas setzen. Aber auch reale Anzeichen – Eon ist an vier Offshore-Windparks beteiligt, RWE hat das Geschäft mit den erneuerbaren gebündelt und Ex-Repower-Chef Varenholt als Leiter gewonnen.

Die Politikerin wirf danach einen Blick auf die geplanten Investitionen in D-Land und wird skeptisch. EnBW wolle Kohle- und Gaskraftwerke mit 3000 MW Lesitung bauen und plant 160 MW mit erneuerbarer Energie. Bei Eon stehen 6000 geplante fossile MW 800 erneuerbaren gegenüber und die RWE-Aktivitäten würden sich vollkommen im Ausland abspielen, weil der deutsche Trend verschlafen wurde.

Höhn folgert: Die deutschen Energieriesen haben nichts begriffen. Dabei seien die Regularien klar, etwa: verbindliche EU-Verpflichtung, bis 2020 Stromeinsparungen in Höhe 16 bis 17 Prozent absolut zu erreichen. Oder der angepeilte Ausbau der erneuerbaren in D-Land von 14 auf 27 Prozent Marktanteil, zzgl. 24 Prozent für die KWK mit Gas oder Kohle. Daraus folgert Höhn: „Auf Eon, RWE & Co. könnten also schwere Zeiten zukommen: Der Absatz aus ihrem dominierenden Geschäft, den zentralen Großkraftwerken, dürfte bis 2020 um rund 40 bis 45 Prozent einbrechen.“ Schließlich fragt sie sich, woran die Weigerung der Großen liegen könnte: nicht lernfähig und flexibel genug? Oder warten sie ab, weil sie davon ausgehen, dass der „(Klimaschutz-)Brei nicht so heiß gegessen, wie er gekocht wird“? Höhn befürchtet letzteres. Und befürchtet, dass hinter dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung nicht genug wirksame Instrumente stehen. KWK, Stromsparen? Fehlanzeige, Ausbau der Netze: Vernachlässigt. Deshalb müsse weiter Druck für die klimafreundliche Umgestaltung der Energieversorgung gemacht werden.
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dient als privater Notizblog interessanter ökonomischer Fakten mit Schwerpunkt auf Energiethemen. Leider fehlt mir die Zeit, um auch meine VWL-Interessen stärker einfließen zu lassen. Wer sich beteiligen möchte schreibt eine E-Mail an blog[ädd]martinbrust[point]de

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